Auswirkungen des neuen EU-Gesetzes zu Treibhausgasemissionen für die indische Industrie

Ulka Kelkar schreibt: Indien ist Europas drittgrößter Handelspartner und hat keine eigene CO2-Steuer oder -Obergrenze. Die Einführung eines Mechanismus zur Anpassung der CO2-Grenzen könnte daher Anlass zur Sorge geben.

Die EU hat seit 2005 ein Emissionshandelssystem mit einem aktuellen Marktpreis von 50 Euro pro Tonne Kohlenstoff.

Am 14. Juli hat die Europäische Union das neue Gesetz Fit for 55 eingeführt, um ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 netto auf null zu senken. Dies ist ein willkommener Schritt für den Klimaschutz, da sie die Ankündigung der EU in Gesetz umsetzt. Schutz vor den Winden des politischen Wandels. Es eröffnet der indischen Industrie neue Märkte, zum Beispiel für Elektrofahrzeuge. Es führt jedoch auch eine potenziell nachteilige Politik ein, die als Carbon Border Adjustment Mechanismus (CBAM) bezeichnet wird.

Die EU hat seit 2005 ein Emissionshandelssystem mit einem aktuellen Marktpreis von 50 Euro pro Tonne Kohlenstoff. Mit Fit for 55 wird die EU mehr Sektoren in dieses Handelssystem einbeziehen und die Vergabe von Genehmigungen verschärfen. Infolgedessen dürfte der CO2-Preis der EU steigen, wodurch ihre inländischen Produkte teurer werden als Importe aus Ländern, die keine solchen Regeln haben. Die neue CBAM soll gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen inländischen und importierten Produkten schaffen.

CBAM verlangt von ausländischen Herstellern, für den bei der Herstellung ihrer Produkte emittierten Kohlenstoff zu zahlen. Die Erhöhung des CO2-Preises soll die Verbraucher davon abhalten, kohlenstoffintensive Produkte zu kaufen, und die Hersteller ermutigen, in sauberere Technologien zu investieren. Die Anpassung wird auf energieintensive Produkte angewendet, die von der EU in großem Umfang gehandelt werden, wie Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel und Strom. Es kann sich auch auf nachgelagerte Industrien auswirken – zum Beispiel kaufen Automobilhersteller möglicherweise inländischen kohlenstoffarmen Stahl anstelle von importiertem kohlenstoffreichem Stahl. Indien ist Europas drittgrößter Handelspartner und hat keine eigene CO2-Steuer oder -Obergrenze. Daher sollte CBAM Anlass zur Sorge geben. Eine am 14. Juli veröffentlichte UNCTAD-Studie prognostiziert, dass Indien bei Exporten energieintensiver Produkte wie Stahl und Aluminium 1 bis 1,7 Milliarden US-Dollar verlieren wird – Indiens Warenhandel mit der EU betrug im Jahr 2020 74 Milliarden US-Dollar.



Die Verwaltung der CBAM wird zweifellos sehr komplex sein. Die Anpassungsrate variiert je nach Land und Produkt, abhängig von der CO2-Intensität der Produktionstechnologie und dem Strommix. Es erfordert eine Überprüfung der von jedem ausländischen Lieferanten gemeldeten Daten, einschließlich Zwischenprodukten aus Drittländern. Sie muss sich möglicherweise auf Länderausfälle oder sektorale Benchmarks verlassen, auf die Gefahr hin, dass die Ergebnisse nicht perfekt sind.

Die Verabschiedung durch das EU-Parlament wird voraussichtlich zwei Jahre dauern, gefolgt von einer dreijährigen Übergangsfrist, bevor die CBAM im Jahr 2026 eingeführt wird. Was sollte sich die indische Industrie in der Zwischenzeit vorbereiten? Erstens sollte es Partnerschaften für saubere Technologien mit der europäischen Industrie eingehen. Indien exportiert beispielsweise Halbzeuge und flachgewalzte Produkte aus Eisen oder unlegiertem Stahl, aber solche Partnerschaften können dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit seiner hochtechnologischen Produkte aus rostfreiem oder legiertem Stahl zu verbessern.

Zweitens sollten indische Unternehmen in mehr erneuerbaren Strom und Energieeffizienz investieren. Sie können wissenschaftlich fundierte Ziele für die Emissionsreduzierung und die interne CO2-Bepreisung festlegen, um Anreize für kohlenstoffarme Entscheidungen zu schaffen. Die Regierung kann das Perform-Achieve-Trade-Programm auf weitere Branchen ausdehnen und KKMU Finanzmittel zur Aufrüstung auf saubere Technologien bereitstellen. Die Analyse von WRI India zeigt, dass die Kohlendioxidemissionen der Eisen- und Stahlindustrie durch stärkere Elektrifizierung, grünen Wasserstoff, Energieeffizienz und Materialeffizienz von 900 Millionen Tonnen auf 500 Millionen Tonnen im Jahr 2035 gesenkt werden können.

Drittens kann Indien versuchen, seine Exporte auf andere Märkte und Produkte zu diversifizieren. So könnte es beispielsweise seinen Marktanteil bei Rohstahl im Vergleich zu emissionsintensiveren Produzenten wie China, Russland und der Ukraine erhöhen.

Gegenwärtig mag die CBAM hinderlich erscheinen. Langfristig kann es der Industrie jedoch durch die Harmonisierung der CO2-Preise regulatorische Sicherheit geben, und die indische Industrie kann sich als starker Akteur in der Handelslandschaft der Zukunft positionieren.

Diese Kolumne erschien erstmals in der Printausgabe am 26. Juli 2021 unter dem Titel „Ein Problem der Anpassung“. Kelkar ist Direktor, Klimaprogramm, World Resources Institute India. Ansichten sind persönlich