Erinnerungen an Horror

David Dushman, einer der ersten Befreier von Auschwitz, ist gestorben. Wenn eine Generation vergeht, müssen ihre Erinnerungen nicht.

Es ist leicht, Auschwitz und das Grauen der Millionen Getöteten einzuteilen und es als eine Verirrung zu betrachten, die aus einer Massenpsychopathie hervorgegangen ist.

Am 27. Januar 1945 hatte David Dushman bereits mehr als seinen Anteil an Schrecken erlebt. Er hatte zwei der verheerendsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs überlebt – bei Stalingrad und Kursk. Doch der Schock über das, was er an diesem Tag nach dem Durchbrechen des Zauns von Auschwitz vorfand – er war einer der ersten sowjetischen Soldaten, der dies tat – blieb bei ihm. Allen Berichten zufolge hat es seine mitfühlende Persönlichkeit durch seine Jahre als olympischer Fechttrainer nach dem Krieg geprägt. Dushman starb am 5. Juni in Neuperlach, Deutschland, im Alter von 96 Jahren, nachdem er ein erfülltes, reiches Leben geführt hatte. Es gibt Aufzeichnungen, Filme und Bücher über den Krieg, den er geführt hat, die Politik, die ihn angetrieben hat. Doch während die Generation, die Zeuge dieser Schrecken war, weitergeht, scheint die Erinnerung an das, was sie gesehen, gehört und gelernt hat, mit ihnen zu sterben. Es sollte nicht.

Es ist leicht, Auschwitz und das Grauen der Millionen Getöteten einzuteilen und es als eine Verirrung zu betrachten, die aus einer Massenpsychopathie hervorgegangen ist. Die Ideologien, die diesen Krieg begannen – ein Gefühl der Opferrolle, das Feiern starker Führer, Kriegstreiberei als politische Taktik – sind nicht alle verschwunden, einige kehren immer wieder zurück. Dushman und diejenigen wie er, die die Tragödie aus der Nähe kannten, nicht als Geschichte oder gar als Kunst, waren wichtig, weil ihre Erinnerungen die gelebte Erfahrung dieser Zeit waren.

In jedem Bereich werden Plattitüden und Klischees über die Lehren der Geschichte geäußert – über das Lernen aus vergangenen Kriegen, Pandemien vor einem Jahrhundert. Der Grund, warum sie so leicht vergessen werden, liegt vielleicht darin, dass sie von denen in der Gegenwart weit entfernt sind. Deshalb sind Erinnerung und Erfahrung wichtig. Deshalb gibt es in Auschwitz ein Denkmal, und so viele trauerten um Dushmans Tod. Die Hoffnung ist, dass, wenn diese Generation uns verlässt, ihre Erinnerungen – und die Lehren aus ihnen – nicht nur verschwommene Worte in schnell gelesenen Geschichtsbüchern sind.